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Elle ärger mich nicht!

Mein neues Hasswort heißt „stilvoll“. Ständig wird es einem von der berufenen Presse um die Ohren geschleudert. Dabei kenne ich niemanden, der es tatsächlich benutzt.

„Stilvoll“ ist das Allroundattribut für Atmosphäre, Inneneinrichtung und Ambiente. Kaum stehen irgendwo gefüllte Rotweingläser herum, gleich ist das stilvoll. Es flackern Kamine, im I-Pod läuft Bach: stilvoll. Zündet zum Essen Kerzen an und serviert vor dem Hauptgang eine Suppe (möglichst nicht von Maggi oder Knorr): schon wird das gute alte Abendbrot zum stilvollen Dinner.

Ausnahme: es befinden sich Gegenstände aus Glas oder Stahl im Raum, wobei Trinkgläser nicht mitzählen. Dann heißt es „stylish“. Willkommen in der Welt der Modewörter.

Nichts gegen ein appetitliches Mehrgängemenü. Aber warum darf eine Kerze nicht mehr einfach herkömmliche Atmosphäre verbreiten? Ein Zimmer nicht mehr einfach gemütlich oder gar elegant sein?

Und warum ist es nicht stilvoll, das Schlafgemach mit Slipknotpostern zu tapezieren? Ein Stil ist das ja durchaus, jedenfalls sofern man Stil als das betrachtet was er ist: eine gleichberechigte Lebensform.

Wer braucht solche Wörter und wozu? Und dann auch noch „voll“, obwohl man genau das vom stilvollen Wein nicht werden sollte und in Sachen Eleganz doch schon immer galt, dass weniger mehr ist?

Soziolektales Frauenzeitschriftengebrabbel, das die Welt der „It-Girls“ und „Fashionistas“ in Rottenmeiermanier von der Welt der Pilstrinker und Alditurnschuhträger scheidet. Waren wir darüber nicht schon seit ein paar Jahren weg? War nicht vor Jahren schon das Abendland unbemerkt untergegangen im Individualisierungswahn der Rucksackträger und Neonleser? Steckt nicht gerade das Prekariat voller selbsternannter Styler?

Was dem Ossi seine Ostalgie, ist der „Elle“ ihr ungetrübtes Candle Light Dinner? Voll der Stil, ey.

9.2.08 10:37

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